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Scottish Borders und St Abbs: Abteien, Hügel und Klippen

Abteiruinen aus dem Mittelalter, das Land von Walter Scott und eine Küste mit Seevogelklippen: der ruhige Süden Schottlands zwischen Edinburgh und der englischen Grenze.

Von der Redaktion Schottland in Bildern · Stand 27. Oktober 2026

Viele Reisende fahren auf dem Weg von England nach Edinburgh einfach durch die Borders hindurch. Das ist schade, denn der Süden Schottlands hat einen ganz eigenen Charakter: sanfte grüne Hügel, Flusstäler mit Schafweiden, kleine Marktstädte und einige der schönsten mittelalterlichen Ruinen des Landes. Dazu kommt eine kurze, aber eindrucksvolle Küste mit Klippen, an denen im Frühsommer Tausende Seevögel brüten. Auch auf der alten Fotoseite unter dieser Adresse standen die Borders mit St Abbs am Anfang der Reise.

Die Border Abbeys

Unter König David I. und seinen Nachfolgern entstanden im 12. Jahrhundert im Tal des Tweed mehrere große Klöster. Sie waren reich und mächtig, lagen aber an der umkämpften Grenze zu England und wurden in den Kriegen der folgenden Jahrhunderte immer wieder beschädigt, besonders schwer im 16. Jahrhundert. Nach der Reformation verfielen sie. Heute sind die vier Ruinen zusammen als Border Abbeys bekannt und werden von der Denkmalbehörde Historic Environment Scotland betreut.

Melrose Abbey ist die bekannteste. Die roten Sandsteinmauern tragen reiche Steinmetzarbeiten, darunter Wasserspeier und Figuren. Der Überlieferung nach ist hier das Herz von Robert the Bruce bestattet. Der Ort Melrose selbst ist eine hübsche Kleinstadt mit Cafés und Läden.

Jedburgh Abbey steht nahe der englischen Grenze und ist besonders vollständig erhalten. Ihre hohen Mauern und Bogenreihen machen sie zu einem eindrucksvollen Fotomotiv, vor allem im Abendlicht.

Dryburgh Abbey liegt abgeschieden in einer Schleife des Tweed zwischen alten Bäumen. Hier ist der Schriftsteller Walter Scott begraben. Die Ruine ist kleiner, aber vielleicht die atmosphärischste der vier.

Kelso Abbey ist nur noch in Teilen erhalten, steht aber mitten im Ort Kelso, einer der schönsten Marktstädte der Region mit einem großen Platz.

Walter Scott und Scott’s View

Kaum ein Name ist mit den Borders so eng verbunden wie der von Walter Scott, dessen Romane das Bild Schottlands im 19. Jahrhundert prägten. Sein Wohnhaus Abbotsford bei Melrose ist heute ein Museum mit Garten am Ufer des Tweed.

Oberhalb von Dryburgh liegt Scott’s View, ein Aussichtspunkt über einer Flussschleife des Tweed mit Blick auf die drei Gipfel der Eildon Hills. Scott soll diesen Blick besonders geschätzt haben. Er ist einer der schönsten Fotospots der Region, am besten am späten Nachmittag.

Die Eildon Hills selbst lassen sich von Melrose aus besteigen. Der Weg ist nicht lang, der Rundblick über das Tweed-Tal weit.

Die Küste: St Abbs und Eyemouth

An der Nordseeküste der Borders liegt St Abb’s Head, ein Naturschutzgebiet mit hohen Klippen, einem Leuchtturm und Wanderwegen. Von Mai bis Juli brüten hier Tausende Seevögel: Trottellummen, Tordalken, Dreizehenmöwen und Krähenscharben drängen sich auf den Felsbändern. Ein Rundweg vom Besucherzentrum führt an den Klippen entlang zum Leuchtturm und zurück.

Unterhalb liegt das kleine Fischerdorf St Abbs mit einem Hafen, von dem in der Saison Tauchboote auslaufen, denn das klare Wasser vor der Küste ist ein beliebtes Tauchrevier. Etwas weiter südlich liegt Eyemouth, ein größerer Hafenort, in dem sich oft Kegelrobben im Hafenbecken zeigen. Füttern Sie die Tiere bitte nicht.

Northumberland als Auftakt

Wer aus England anreist, etwa mit der Fähre über Newcastle, kann die Reise auf der englischen Seite der Grenze beginnen. In Northumberland liegen der römische Hadrianswall, die Gezeiteninsel Lindisfarne und die Burg von Bamburgh über einem breiten Strand. Von dort erreichen Sie die Borders in kurzer Zeit. Diesem Auftakt widmen wir im Ratgeber einen eigenen Beitrag.

Wandern in den Borders

Die Borders sind ein unterschätztes Wandergebiet. Zwei Fernwanderwege führen durch die Region: Der Southern Upland Way quert Südschottland von der Westküste bis an die Nordsee und endet bei Cockburnspath, nicht weit von St Abbs. Der St Cuthbert’s Way verbindet Melrose mit der Gezeiteninsel Lindisfarne in Northumberland und folgt dabei den Spuren eines frühmittelalterlichen Heiligen. Beide lassen sich auch in Tagesetappen gehen.

An der Küste verläuft der Berwickshire Coastal Path über die Klippen zwischen Cockburnspath, St Abbs und Eyemouth bis nach Berwick-upon-Tweed jenseits der Grenze. Er bietet weite Ausblicke über die Nordsee und an vielen Stellen Blicke auf brütende Seevögel. Für Fotografen ist der Abschnitt rund um St Abb’s Head am lohnendsten, besonders am Morgen, wenn das Licht von Osten auf die Klippen fällt.

Feste und Traditionen

Im Sommer feiern viele Orte der Borders ihre Common Ridings, Reiterfeste, bei denen die Gemeindegrenzen abgeritten werden. Die Tradition geht auf Zeiten zurück, in denen die Grenzen zwischen Gemeinden und Ländern umstritten waren. Wer zufällig zu einem solchen Fest kommt, erlebt die Region von ihrer lebendigsten Seite.

Fotospots

  • Scott’s View mit der Tweed-Schleife und den Eildon Hills.
  • Melrose Abbey mit den Steinmetzarbeiten im Detail.
  • Jedburgh Abbey im Abendlicht.
  • St Abb’s Head mit Klippen, Leuchtturm und Seevögeln.
  • Hafen St Abbs am frühen Morgen.

Reisedauer

Für die Abteien und Scott’s View reicht ein voller Tag, mit der Küste sollten Sie zwei Tage einplanen. Ab Edinburgh ist die Region gut als Tagesausflug machbar. Wie die Borders in eine längere Route passen, zeigt die Übersicht der Regionen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche der Border Abbeys lohnt sich am meisten?

Wer nur Zeit für eine Abtei hat, wählt meist Melrose: Die Ruine ist reich verziert, liegt in einem hübschen Ort und ist mit der Bahn von Edinburgh aus gut erreichbar. Jedburgh ist besonders gut erhalten und wirkt sehr hoch, Dryburgh liegt idyllisch in einer Flussschleife und ist die stillste der vier.

Wann ist die beste Zeit für die Vogelklippen bei St Abbs?

Die Seevögel brüten ungefähr von Mai bis Juli an den Klippen. Dann sind Trottellummen, Tordalken, Dreizehenmöwen und Krähenscharben in großer Zahl zu sehen. Papageitaucher kommen dort nur in kleiner Zahl vor. Ab August werden die Klippen ruhiger.

Kann man die Borders ohne Auto besuchen?

Teilweise. Die Borders Railway verbindet Edinburgh mit Tweedbank, von dort sind Melrose und Abbotsford nah. Für Dryburgh, Scott's View und die Küste bei St Abbs ist ein Auto deutlich praktischer, weil Busse dort selten fahren.