Kleine bewaldete Insel in einem Loch vor sattgrünen Hügeln
Reiseplanung

Midges in Schottland: wann sie auftreten und was hilft

Winzig, zahlreich und hartnäckig: wann die Highland Midge fliegt, warum Wind Ihr bester Freund ist und wie Sie Wanderungen, Fotostopps und Zeltabende trotzdem genießen.

Von der Redaktion Schottland in Bildern · Stand 26. Oktober 2026

Midges sind winzige Stechmücken, die in Schottland ungefähr von Ende Mai bis September fliegen, mit der stärksten Plage im Juni, Juli und August. Sie treten in Schwärmen auf, vor allem im feuchten Westen, bei Windstille und in der Dämmerung. Sonne, Trockenheit und schon eine leichte Brise halten sie weitgehend fern, und mit Kopfnetz, langer Kleidung und Schutzmittel lassen sich auch schlechte Abende gut überstehen. Weitere Grundlagen zur Reise finden Sie auf der Seite Reiseplanung.

Was Midges sind

Die bekannteste Art ist die Highland Midge (Culicoides impunctatus), eine Gnitze von rund ein bis zwei Millimetern Größe. Es stechen nur die Weibchen, die für die Entwicklung ihrer Eier Blut brauchen. Die Larven leben in feuchtem, saurem Boden, wie er in Mooren, nassen Wiesen und unter Farn in weiten Teilen der Highlands vorkommt. Deshalb ist Schottland so stark betroffen.

Einzeln merkt man eine Midge kaum. Lästig wird es, weil sie in großer Zahl auftreten und durch Duftstoffe weitere Tiere anlocken. An einem windstillen Juliabend am Ufer eines Lochs können innerhalb weniger Minuten Hunderte um den Kopf schwirren.

Wann Midges auftreten

Im Jahreslauf

Monat Midges Hinweis
April praktisch keine gute Zeit für Wanderer und Camper
Mai ab Ende Mai erste Schwärme Beginn je nach Frühjahrswetter
Juni deutlich erste starke Generation
Juli stark Hauptsaison, besonders im Westen
August stark oft zweite Spitze
September abnehmend an milden, feuchten Tagen noch spürbar
Oktober bis März keine Frost beendet die Saison

Die Angaben sind Richtwerte. Ein warmes, feuchtes Frühjahr verschiebt den Beginn nach vorne, der erste Frost im Herbst beendet die Saison. Wie sich das mit Tageslicht, Wetter und Reiseandrang verbindet, zeigt der Artikel Beste Reisezeit für Schottland.

Im Tagesverlauf und nach Wetter

Midges sind empfindlich gegenüber Wind, Sonne und Trockenheit. Am aktivsten sind sie:

  • in der Morgen- und Abenddämmerung, oft auch den ganzen Tag bei dichter Bewölkung
  • bei Windstille oder nur einem Hauch von Wind
  • bei hoher Luftfeuchtigkeit, zum Beispiel nach einem Regenschauer
  • in windgeschützten Lagen: Täler, Waldränder, Seeufer, hinter Gebäuden

Schon leichter Wind, der Gras und Blätter deutlich bewegt, macht es ihnen schwer zu fliegen. Bei kräftigem Sonnenschein ziehen sie sich zurück. Ein windiger, sonniger Nachmittag im Juli kann deshalb völlig midgefrei sein, während derselbe Ort am Abend unerträglich ist.

Während der Saison veröffentlichen Anbieter im Internet tägliche Midge-Vorhersagen für verschiedene Regionen, die auf Wetterdaten und Fallenzählungen beruhen. Sie geben eine gute grobe Orientierung für die Tagesplanung.

Wo es viele und wo es wenige gibt

Viele Midges: Westküste und Inseln, darunter Skye, Mull und die Gegend um Glencoe und Fort William, außerdem windgeschützte Glens, Ufer von Süßwasserseen, feuchte Wälder und Campingplätze in Mulden.

Wenige Midges: der trockenere Osten mit Edinburgh, Fife, Aberdeenshire und den Borders, Städte allgemein, offene Küsten und Strände mit Seewind, Landzungen und Klippen, höhere Bergrücken mit Wind sowie Orkney, wo es häufig weht.

Für die Planung heißt das: Wer im Hochsommer im Westen unterwegs ist, legt Picknicks, Fotostopps und Zeltplätze an windige, offene Stellen und meidet stille Ufer in der Dämmerung.

Was wirklich hilft

Kopfnetz

Das wirksamste und günstigste Mittel ist ein feinmaschiges Kopfnetz, das über Hut oder Kappe getragen wird. Achten Sie auf eine Maschenweite, die ausdrücklich für Midges geeignet ist, denn normale Mückennetze lassen die winzigen Tiere teilweise durch. Ein Netz wiegt fast nichts und passt in jede Jackentasche.

Kleidung

Lange Ärmel, lange Hosen und Socken über den Hosenbeinen lassen wenig freie Haut. Dicht gewebte Stoffe sind besser als grobe Strickware. Viele Reisende empfehlen helle Farben, weil dunkle Kleidung die Tiere stärker anziehen soll. Handschuhe helfen beim Zeltaufbau am Abend.

Mückenschutzmittel

Mittel mit Wirkstoffen wie Icaridin oder DEET wirken auch gegen Midges. Tragen Sie sie gleichmäßig auf alle freien Stellen auf, auch hinter den Ohren und am Haaransatz, und erneuern Sie sie nach der auf der Packung angegebenen Zeit oder nach starkem Schwitzen. Für Kinder und Schwangere gelten teils Einschränkungen, lesen Sie die Gebrauchsanweisung oder lassen Sie sich in der Apotheke beraten. In Schottland sind spezielle Midge-Mittel in Outdoorläden, Apotheken und vielen Dorfläden erhältlich.

Verhalten

  • In Bewegung bleiben: Beim Gehen haben Sie deutlich weniger Midges um sich als beim Stehen oder Sitzen.
  • Windige Plätze wählen: Rast lieber auf einer Kuppe als im Talgrund.
  • Mittags draußen sein: Wanderungen und Fotostopps in die Tagesmitte legen, Dämmerung im Haus oder im Auto verbringen.
  • Türen und Fenster schließen, sobald es abends ruhig wird, auch im Wohnmobil.
  • Licht sparsam einsetzen: Am Zelt abends nicht direkt am Eingang leuchten.

Was eher wenig bringt

Einzelne Hausmittel und Duftstoffe werden immer wieder empfohlen, ihre Wirkung ist aber nicht verlässlich. Auch elektronische Geräte mit Ultraschall gelten als unwirksam. Midge-Fallen, wie man sie auf manchen Campingplätzen sieht, können die Zahl an einem festen Ort über Wochen senken, helfen unterwegs aber nicht sofort.

Camping und Wohnmobil

Für Camper sind Midges das größte Komfortproblem des Sommers. Wählen Sie Stellplätze an offenen Küsten oder auf leicht erhöhten Flächen mit Wind statt geschützter Mulden. Ein Zelt mit feinem Innenzelt und ein schnell aufbaubares Modell verkürzen die Zeit, in der Sie draußen ungeschützt sind. Kochen Sie bei Midge-Wetter im Vorzelt oder planen Sie die Hauptmahlzeit am Nachmittag. Im Wohnmobil hilft ein feinmaschiges Fliegengitter an Tür und Dachluke.

Midges beim Wandern und Fotografieren

Auf Wanderungen sind Midges vor allem bei Pausen ein Thema. Wählen Sie für die Rast einen Grat, eine Kuppe oder eine offene Stelle mit Wind statt eines geschützten Platzes am Bach. Beim Aufstieg durch Farn und feuchtes Gras am Talboden ist das Kopfnetz oft hilfreich, oben am Berg brauchen Sie es meist nicht mehr.

Für Fotografen ist die Lage schwieriger, denn das schönste Licht fällt genau in die Dämmerung, wenn die Midges am aktivsten sind. Ein paar Tipps:

  • Standort mit Wind suchen, etwa an der Küste oder auf einer Anhöhe, und das Motiv danach ausrichten.
  • Ausrüstung vorbereiten, bevor Sie aussteigen: Objektiv montiert, Stativ ausgezogen, Einstellungen gesetzt. Jede Minute im Stillstand zählt.
  • Kopfnetz und Sucher vertragen sich mäßig. Ein Netz mit etwas Abstand zum Gesicht oder die Bedienung über den Bildschirm hilft.
  • Handschuhe schützen beim Hantieren mit dem Stativ, dünne Modelle erhalten das Gefühl für die Knöpfe.

Nach dem Stich

Midge-Stiche jucken, sind aber für die meisten Menschen harmlos. Kratzen Sie möglichst nicht, kühlen Sie die Stellen und nutzen Sie bei Bedarf ein juckreizstillendes Gel aus der Apotheke. Wer zu starken allergischen Reaktionen neigt, bespricht die Reise vorher mit einem Arzt.

Deutlich wichtiger für die Gesundheit sind Zecken, die in Schottland in Farn, hohem Gras und Heide vorkommen und Krankheiten wie Borreliose übertragen können. Suchen Sie nach Wanderungen Haut und Kleidung ab und entfernen Sie Zecken zügig mit einer Zeckenkarte oder Pinzette.

Packliste gegen Midges

  • Feinmaschiges Kopfnetz, am besten zwei
  • Mückenschutzmittel mit Icaridin oder DEET
  • Langärmeliges Hemd oder leichte Jacke, lange Hose
  • Leichte Handschuhe für Zeltabende
  • Juckreizstillendes Gel
  • Zeckenkarte oder Zeckenzange

Was sonst noch in den Koffer gehört, steht in der Packliste für Schottland.

Lohnt sich eine Sommerreise trotzdem?

Ja. Die meisten Reisenden erleben Midges als lästig, aber beherrschbar, und viele Tage sind dank Wind und Sonne ganz ohne. Wer dem Problem gezielt ausweichen möchte, reist im April, Mai oder ab Mitte September, plant im Hochsommer mehr Zeit im windigen Osten, an den Küsten und in Städten ein und hält das Kopfnetz immer griffbereit.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Gibt es im Mai schon Midges?

Meist erst gegen Ende Mai, und dann noch in geringer Zahl. April und der größte Teil des Mai gelten deshalb als gute Reisezeit für Wanderer und Camper im Westen. Wie früh die Saison beginnt, hängt vom Frühjahrswetter ab. Ein warmer, feuchter Mai kann sie früher bringen.

Sind Midge-Stiche gefährlich?

Für die meisten Menschen sind sie lästig, aber harmlos. Die Stiche jucken und können kleine Quaddeln bilden, die nach einigen Tagen abklingen. In Schottland gelten Midges nicht als Überträger von Krankheiten auf Menschen. Wer stark allergisch reagiert, fragt vor der Reise in der Apotheke oder beim Arzt nach geeigneten Mitteln.

Helfen normale Mückensprays aus Deutschland?

Mittel mit Wirkstoffen wie Icaridin oder DEET wirken auch gegen Midges, müssen aber gleichmäßig auf alle freien Hautstellen aufgetragen und nach einigen Stunden erneuert werden. Ein Mittel allein reicht an schlimmen Abenden oft nicht. Kombinieren Sie es mit Kopfnetz und langer Kleidung.

Wo in Schottland gibt es die wenigsten Midges?

Im trockeneren Osten, an der Küste mit ständigem Wind, in den Städten und auf höheren, windigen Bergrücken. Besonders viele gibt es dagegen in windgeschützten Tälern, an Seeufern und in feuchten Moor- und Farngebieten an der Westküste und auf den Inseln.

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