Steilküste mit Grasoberkante über bewegtem Meer bei aufreißenden Wolken
Tierwelt

Papageitaucher in Schottland beobachten: wann und wo

Bunter Schnabel, watschelnder Gang und ein Maul voller Fische: wann Papageitaucher in Schottland brüten, wo Sie ihnen am nächsten kommen und wie Sie die Kolonien nicht stören.

Von der Redaktion Schottland in Bildern · Stand 26. Oktober 2026

Papageitaucher sind in Schottland nur zur Brutzeit an Land, ungefähr von April bis Anfang August. Die besten Wochen für einen Besuch liegen zwischen Ende Mai und Mitte Juli, wenn die Altvögel Fische zu ihren Jungen in die Bruthöhlen tragen. Am nächsten kommen Sie ihnen auf kleinen Inseln wie Staffa, Lunga und der Isle of May, die mit Bootstouren erreichbar sind. Ohne Boot gelingen gute Beobachtungen an einigen Klippen im Norden. Einen Überblick über weitere Arten gibt die Seite Tierwelt Schottlands.

Der Vogel in Kürze

Der Papageitaucher (Fratercula arctica) ist ein Alkenvogel von rund 30 Zentimetern Länge, also deutlich kleiner, als viele erwarten. Den Großteil des Jahres verbringt er auf dem offenen Nordatlantik. Nur zur Brut kommt er an Land, meist in dieselbe Kolonie und oft in dieselbe Höhle wie im Vorjahr. Der bunte Schnabel ist ein Brutkleid: Im Winter wird die farbige Hornscheide abgeworfen, der Schnabel wirkt dann kleiner und dunkler.

Die Paare graben Höhlen in weichen Grasboden oder nutzen Spalten zwischen Felsen. Das Weibchen legt ein einziges Ei. Beide Eltern brüten und füttern das Junge, das im Sommer nachts die Höhle verlässt und allein aufs Meer hinausschwimmt.

Wann die Papageitaucher da sind

Zeitraum Was passiert Chancen
April Rückkehr an die Kolonien, Paarbildung gut, aber unregelmäßig
Mai Eiablage und Brut gut, Vögel oft vor den Höhlen
Juni Junge schlüpfen, Fütterung beginnt sehr gut
Juli Altvögel mit Fischen im Schnabel sehr gut bis Mitte Juli
Ende Juli bis Anfang August Junge verlassen die Höhlen, Kolonien leeren sich abnehmend
Mitte August bis März auf See praktisch keine Chance an Land

Die Angaben sind Richtwerte. Je nach Kolonie und Jahr verschieben sie sich um einige Wochen. Wer Anfang August reist, sollte die Erwartungen niedrig halten.

Die besten Orte im Überblick

Inseln mit Bootstouren

Ort Region Anreise Besonderheit
Staffa Innere Hebriden, vor Mull Boote ab Fionnphort, Iona, Ulva Ferry, Oban Vögel sehr nah, dazu Fingal’s Cave
Lunga (Treshnish Isles) vor Mull Touren meist ab Ulva Ferry große Kolonie, oft mit Staffa kombiniert
Isle of May Firth of Forth Boote ab Anstruther und North Berwick Naturschutzgebiet, viele Seevögel
Handa Island Nordwestküste kleine Fähre ab Tarbet bei Scourie Wildnis-Insel mit großen Seevogelklippen
St Kilda weit westlich der Äußeren Hebriden lange Tagesfahrten bei ruhiger See größte Kolonie Großbritanniens

Auf Staffa sitzen die Vögel auf der Grasfläche oberhalb der Klippen und sind an Besucher gewöhnt. Wer sich ruhig hinsetzt, erlebt sie oft aus wenigen Metern Entfernung. Wie Anfahrt, Landung und Höhle ablaufen, beschreibt der Artikel Fingal’s Cave auf Staffa. Viele Touren ab Ulva Ferry verbinden Staffa mit Lunga, wo die Kolonie noch größer ist.

Die Isle of May liegt vor der Küste von Fife und ist von Edinburgh aus gut als Tagesausflug machbar. Neben Papageitauchern brüten dort Trottellummen, Tordalken und Dreizehenmöwen, die Insel ist ein nationales Naturschutzgebiet.

Klippen ohne Boot

Ort Region Hinweis
Sumburgh Head Südspitze von Shetland Vögel oft nah an der Mauer am Leuchtturm
Hermaness und Noss Shetland große Seevogelkolonien, längere Wege
Westray Orkney kleine Kolonie an der Küste, gut zu Fuß erreichbar
Dunnet Head Nordküste, Caithness nördlichster Punkt des Festlands, Vögel unterhalb der Aussichtspunkte
Fowlsheugh Ostküste bei Stonehaven Seevogelreservat, Papageitaucher in kleinerer Zahl

An diesen Orten beobachten Sie meist von einem Aussichtspunkt oder Pfad an der Klippe. Ein Fernglas ist Pflicht, ein Teleobjektiv für Fotos sehr hilfreich.

Südschottland

In den Scottish Borders ist St Abb’s Head die bekannteste Seevogelklippe. Dort brüten im Frühsommer vor allem Trottellummen, Tordalken und Dreizehenmöwen, Papageitaucher sind nur in kleiner Zahl zu sehen. Wer in Südschottland gezielt Papageitaucher sucht, fährt besser zur Isle of May. Mehr zur Region steht auf der Seite Scottish Borders.

Bootstouren: worauf Sie achten sollten

  • Vorab buchen: Die Boote sind klein, in der Hauptsaison sind Plätze schnell vergeben.
  • Wetter einplanen: Landungen hängen vom Seegang ab. Legen Sie den Ausflug nicht auf den letzten Reisetag.
  • Zeit an Land prüfen: Auf Staffa sind es meist rund eine Stunde, auf Lunga oder der Isle of May oft mehr. Fragen Sie beim Buchen nach.
  • Warm anziehen: Auf dem Wasser ist es auch im Juli kühl und nass.
  • Proviant mitnehmen: Auf den Inseln gibt es in der Regel keine Einrichtungen zum Kaufen.
  • Seekrankheit: Bei empfindlichem Magen vorab ein Mittel aus der Apotheke besorgen.

Rücksicht in der Kolonie

Papageitaucher sind leicht zu stören, auch wenn sie zutraulich wirken. Die Bruthöhlen liegen dicht unter der Grasnarbe und können unter dem Gewicht eines Menschen einbrechen.

  • Auf markierten Wegen bleiben und keine Grasflächen mit Höhlen betreten.
  • Nicht auf die Vögel zugehen. Setzen Sie sich ruhig hin und lassen Sie sie zu Ihnen kommen.
  • Flugwege freihalten: Stellen Sie sich nicht zwischen die Klippenkante und die Höhlen, die Vögel fliegen mit Futter direkt an.
  • Keine Drohnen über Seevogelkolonien, sie lösen Fluchtreaktionen aus.
  • Hunde gehören nicht in die Kolonien, auf vielen Inseln sind sie nicht erlaubt.
  • Abstand zur Klippe: Die Grasflächen enden oft ohne Zaun an steilen Felsen.

Fotografieren: Tipps für gute Bilder

  • Brennweite: Auf Staffa reicht ein leichtes Tele ab etwa 200 Millimetern Kleinbild-Brennweite, an Festlandklippen sind 400 Millimeter und mehr hilfreich.
  • Augenhöhe: Fotografieren Sie im Sitzen oder Knien, das wirkt natürlicher und stört weniger.
  • Flugaufnahmen: Kurze Verschlusszeiten von 1/2000 Sekunde oder kürzer, kontinuierlicher Autofokus, Serienbild.
  • Licht: Bedeckter Himmel gibt weiche Farben am Schnabel, Gegenlicht am Abend schöne Konturen.
  • Geduld: Wählen Sie eine Höhle oder Kante mit Betrieb und warten Sie dort, statt umherzulaufen.

Papageitaucher von verwandten Arten unterscheiden

In Seevogelkolonien sind oft auch Tordalke und Trottellummen zu sehen, die ebenfalls schwarz-weiß sind. Sie sind aber größer, stehen meist auf schmalen Felsbändern statt im Gras und haben keinen bunten Schnabel. Papageitaucher erkennen Sie zusätzlich an den orangefarbenen Füßen und am schnellen, schwirrenden Flug dicht über dem Wasser.

Wie viel Zeit Sie einplanen sollten

Eine Bootstour zu Staffa dauert je nach Abfahrtsort zwischen rund zwei Stunden und einem halben Tag, kombinierte Fahrten mit Lunga meist einen ganzen Tag. Für die Isle of May sollten Sie ab Anstruther oder North Berwick ebenfalls einen halben bis ganzen Tag rechnen, abhängig von Überfahrt und Zeit an Land. Handa Island ist eine Wanderinsel: Der Rundweg zu den großen Klippen nimmt einige Stunden in Anspruch, und die kleine Fähre fährt nur in der Saison und bei passendem Wetter.

Bei Festlandklippen wie Dunnet Head oder Sumburgh Head genügt oft eine Stunde, wer fotografieren möchte, bleibt länger. Gerade dort lohnt Geduld: Nach einer ruhigen Phase kehren oft innerhalb weniger Minuten viele Vögel gleichzeitig vom Meer zurück.

Kurzplan für eine Papageitaucher-Reise

Wer nur ein Ziel wählen kann, nimmt im Juni eine Kombitour zu Staffa und Lunga ab Mull. Von Edinburgh aus bietet sich die Isle of May an. Wer ohnehin in den hohen Norden reist, kombiniert Orkney und Shetland mit Klippen, die ohne Boot erreichbar sind. In allen Fällen gilt: einen Ersatztag einplanen, denn Seegang und Wetter entscheiden.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wann ist die beste Uhrzeit, um Papageitaucher zu sehen?

Tagsüber sind viele Altvögel zum Fischen auf See, ein Teil der Kolonie ist aber fast immer an Land. In vielen Kolonien ist am Abend besonders viel Betrieb, wenn die Vögel zurückkehren. Bei Bootstouren bestimmt der Fahrplan die Uhrzeit. An Land erreichbaren Klippen lohnt sich ein Besuch am frühen Abend.

Kann ich Papageitaucher ohne Bootstour sehen?

Ja, an einigen Klippen auf dem Festland und auf größeren Inseln, etwa bei Sumburgh Head auf Shetland, am Dunnet Head in Caithness oder auf Westray in Orkney. Die Zahl der Vögel ist dort oft geringer, und Sie beobachten meist aus etwas größerer Entfernung als auf Staffa oder der Isle of May. Ein Fernglas ist dann sehr hilfreich.

Sind Papageitaucher in Schottland gefährdet?

Weltweit wird der Papageitaucher als gefährdet eingestuft, und in Großbritannien steht er auf der Roten Liste der Vogelarten mit hohem Schutzbedarf. Gründe sind unter anderem Veränderungen im Nahrungsangebot auf See, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Umso wichtiger ist es, die Kolonien beim Besuch nicht zu stören.

Kopfbild: Unsplash (Unsplash-Lizenz). Weitere Angaben unter Über dieses Portal.